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29.04.2010
CDU Bad Cannstatt informiert und diskutiert über Jugendkriminalitätt
In der jüngsten Sitzung des CDU-Arbeitskreises Kommunalpolitik unter Leitung von Dr. Markus Reiners wurde durch den zuständigen Referenten vom Polizeipräsidium Stuttgart, Herrn Pietsch, in die Thematik Jugendkriminalität eingeführt. Deutlich wur-de, dass in Stuttgart in den letzten Jahren insgesamt kein Anstieg bei der Kriminalität zu verzeichen ist, jedoch kriminelle Karrieren - quer durch das Strafrecht - zuneh-mend früher beginnen.
Die Gründe hierfür wurden von den Teilnehmern eingehend diskutiert. Einigkeit be-steht darüber, dass die Ursachen „erlernter“ Kriminalität und von Verhaltensweisen, die unterhalb dieser Schwelle anzusiedeln sind - wie beispielsweise exzessiver Alko-holmissbrauch oder Spielsucht - insbesondere in der Sozialisation zu suchen sind. Vorwiegend ein Mangel an Zuwendung, Erziehung sowie vorgelebten Leitlinien und Regeln fördern den Einstieg in eine Delinquenz. Orientierungslosigkeit und eine man¬gelnde, Grenzen setzende, Erziehung sind jedoch nicht der einzige Grund. Bei aus-ländischen Jugendlichen oder solchen mit Migrationshintergrund kommen vielfach noch Verstärkungsmechnanismen, wie Sprachprobleme, mangelnde Integration oder ein entsprechendes Wohnumfeld etc., hinzu.
Insbesondere der Bereich Alkoholmissbrauch von Kindern und Jugendlichen wurde eingiebig erörtert. Alarmierend sind insbesondere die Altersdurchschnitte erster Kon-takte mit Alkohol und eines ersten Alkoholrausches unter Kindern und Jugendlichen, lag das Einstiegsalter in früheren Jahren doch erheblich höher. Auch die Motivation, sich in einen Alkoholrausch zu versetzten, ist unter Kindern und Jugendlichen heute vielfach eine andere als früher. Alkohol als „Psychokrücke“, um beispielsweise Spass zu haben oder einfacher mit anderen in Kontakt treten zu können, stehen heute oft-mals als Gründe im Raum. Die Thematik ist der CDU von Wichtigkeit, denn je früher solche Probleme auftreten, desto größer ist auch die Gefahr, dass Kinder und Ju-gendliche später zu Alkoholikern werden.
Mit dem jüngst erlassenen abendlichen bzw. nächtlichen Alkoholverkaufsverbot an Tankstellen ist sicherlich ein wichtiger Schritt getan, denn der Kauf von Alkohol er-folgt unter Jugendlichen ganz überwiegend wenig geplant und auf Vorrat, sondern eher spontan, je nach Gelegenheit. Diskussionswürdig erschien vor diesem Hinter-grund auch die Überlegung, ob Alkoholgenuss für Jugendliche unter 18 Jahren - im Sinne des Gesundheitsschutzes - in der Öffentlichkeit nicht ganz verboten gehört.
Was sind die Lösungen für solche Probleme? Eine Lösung, so Reiners, könne nur durch gesamtgesellschaftliche Ansätze gelingen, mit Konzepten, die langfristig - und daher weit über Legislaturperioden hinaus - angelegt sind. Besonders wichtig er-scheinen hier noch nachhaltigere und intensivere Bemühungen hinsichtlich der Ver-netzung von Sozialisationsinstanzen, wie Schule, Kindergarten, Vereinen etc. Herr Pietsch betonte insbesondere auch seine langjährige Forderung nach einem bedarfs¬orientierten verstärkteren Einsatz von Schulsozialarbeitern bereits in Kindergärten, wo es sich demnach konkret anbietet. Ferner wurde die Dringlichkeit diskutiert, ob es notwendig sei, Kindererziehung auf andere Füße stellen zu müssen. Wir werden langfristig nur einen Erfolg erzielen, wenn wir passende Konzepte in die Unterrichts-fächer „eingießen“, so Pietsch weiter. „Kinder zu Eltern auszubilden“, ihnen also ver-stärkt Verantwortung im Schulunterricht zu lehren, beispielsweise im Rahmen von Gemeinschaftskunde, Religion oder Ethik sind hierbei sicherlich zentrale Überlegun-gen.
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